Wärmebildkamera: Erleuchtung bei Tageslicht

Wärmebildkamera in der Jagdpraxis - das Bestätigen von Wild mit Wärmebildtechnik am Tag
Vergleich Anblick eines Rehbockes mit sichtbarem Licht und mit der Infrarotsignatur

Das Thema Wärmebildtechnik auf der Jagd ist in aller Munde

Ob verteufelt oder als Lösung für alles angepriesen, Fakt ist: Das Interesse am Thema ist riesig. Auf unseren  Vorträgen, Lehrgängen oder an unserem Messestand gibt es neben Fragen zu Produkten oder nach Tipps für die Praxis ein immer wiederkehrendes und intensiv nachgefragtes Thema:

Kann man Wärmebildkamera auch tagsüber einsetzen?

Kurz und knapp: Ja -  denn anders als Nachtsichtgeräte macht die Wärmebildtechnik ja kein Licht respektive Restlicht sichtbar, sondern die unterschiedlichen Temperaturgrade der Umgebung. Die sind auch am Tag unterschiedlich und der Wildkörper dadurch in der Umgebung auch tagsüber sichtbar, im Winter natürlich besser als im Sommer, denn dann ist der Unterschied zwischen Umgebungs- und Körpertemperatur größer.

Die Frage könnte also auch lauten: Kann man Wärmebildkamera auch im Sommer einsetzen? Antwort: ja, das geht problemlos.

Ich selbst nutze die Technik nun seit Jahren und gehe inzwischen überhaupt nicht mehr ohne Wärmebildkamera auf Jagd. Egal ob Ansitz, Pirsch, Drückjagd oder Nachsuche, ob am Tag oder in der Nacht: Die Wärmebildkamera  ist immer dabei.

Warum?

Weil man einfach viel mehr sieht, was selbst das geschulteste Auge übersehen würde, und weil man in gewissen Situationen viel eher auf Wild vorbereitet ist. Die Chance liegt darin, das Wild auch dann zu sehen, wenn wir der Tarnung oder der nur minimalen Sichtbarkeit des Wildkörpers wegen sonst ohne die Funktion eines Wärmebildkameras kaum eine Chance hätten, das Stück zu entdecken. Denn der Temperaturunterschied ist häufig größer als die sichtbare Farb- oder Bewegungsabweichung zwischen Wild und Deckung.

Ein erstes gutes Beispiel ist die Rehwildjagd an einem Weizenschlag im Sommer

Die Ernte steht kurz bevor, die Ähren sind schon voll, das Getreide ist also rehhoch. Wenn ich das Feld in der Hoffnung abglase, irgendwo ein Paar Lauscher zu entdecken, so fällt mir das aufgrund der sich im Wind wiegenden Weizenähren schon sehr schwer. Nehme ich aber das Wärmebildkamera zur Hand erkenne ich selbst im Hochsommer aufgrund des bestehenden Temperaturunterschiedes sofort jeden Lauscher, der aus dem Ährenmeer rausschaut, und kann mich gezielt vorbereiten. Das heißt, dass ich nicht überrascht werde, wenn das Stück plötzlich auf der Fahrspur steht und die Chance eines übereilten Schusses deutlich verringert wird.Ein weiteres Beispiel ist die Pirsch auf den Bock zur Blattzeit. Wenn ich im Juli oder August tagsüber eine Dickung anpirsche, an deren Rand sich der Bock niedergetan hat, stehen meine Chancen mit einem Wärmebildkamera wirklich gut, dass ich ihn sehe, bevor er mich sieht, sodass ich meinen Standort zum Blatten sehr viel besser wählen kann.

Kommen wir zu den Sauen

Dank Wärmebildtechnik lässt sich die Sommerpirsch auf Sauen an bekannten Suhlen auf größere Entfernungen bewerkstelligen, ohne dass ich Gefahr laufe, die Rotte gleich hochzumachen.Auch an einem Wildacker habe ich gute Chancen zu erkennen, von wo genau die Geräusche kommen, denn auch hier besteht häufig nur ansatzweise Sichtkontakt, den ich ohne Wärmebildtechnik nicht erkannt hätte.

Zudem beschränkt sich der kombinierte Einsatz von Wärmebildtechnik und Drohnen nicht nur auf die Kitzrettung, wo er sich deutlich erfolgreicher zeigt als das personen- und zeitaufwändige Absuchen per Durchgehen oder sogar der Drohnenflug mit einer Kamera. Beispielsweise ist auch das Abfliegen von Maisschlägen oder Wild­äckern mit einer mit Wärmebildkamera bestückten Drohne doch um einiges Erfolg versprechender und erspart einem die Mobilisierung von Schützen und Hundeführern, wenn gar nichts der Frucht steckt.

Grenzen der Wärmebildtechnik

Trotz all dieser positiven Möglichkeiten muss jedoch auch gesagt werden, dass eine Wärmebildkamera am Tage und im Sommer natürlich auch seine Grenzen hat. Es ist kein Röntgengerät, was für uns vor allem bedeutet, dass wir einen direkten Sichtkontakt zum Stück brauchen. Schauen also keine Lauscher aus dem Weizen oder Teller aus den Wildäsungspflanzen, werden wir dem Stück auch mit einem Wärmebildkamera nicht ansichtig werden.

Und ja, die große Wärme im Sommer macht den Einsatz eines Wärmebildkameras nicht einfacher. Umrisse werden unklarer und auch Objekte wie große Steine heizen sich auf und geben eine Wärmesignatur ab, die schnell für einen Wildkörper gehalten werden kann. All diese Punkte sind aber mit einer sich einstellenden Erfahrung auszugleichen und stehen in keinem Vergleich zu den großen Vorteilen, die uns die Wärmebildtechnik bringt.

All diese Vorteile jedoch haben selbstverständlich einen Einfluss auf unsere Bejagungsstrategien. Man muss sich beim Kauf gut überlegen, wie die aktuelllen Bejagungsstrategien angepasst werden müssen, um die Technik optimal nutzen zu können. Aus diesem Grund haben wir das bundesweite Seminar „Schwarzwildbejagung Heute“  entwickelt.

Die Art und Weise wie man jagt ändert sich zwangsläufig

Der Struktur des Revieres, in dem die Wärmebildkameras einsetzt werden sollen, hat einen Einfluss darauf, welches Gerät wir brauchen. Nicht jeder braucht ein Gerät aus der 4.000 Euro Klasse. Die Erkenntnis, dass vielen Jägern günstigere Geräte reichen, ist immer wieder ein Aha-Erlebnis bei von uns durchgeführten Beratungen. Aber auch, wenn man sich für eine günstigere Wärmebildkamera entschieden hat, sollte man sich genau informieren, da es im unteren Preissegment leider auch in der Jagdpraxis untaugliche Geräte gibt.

Carsten Zulauf, Wärmebildkamera-Experte für die Jagd vom Jagdservice Franken, Betreiber von Sauenpirsch.de
Carsten Zulauf, Wärmebildkamera-Experte für die Jagdpraxis

Fazit

Wärmebildtechnik bei Tag ist absolut sinnvoll. Es gilt aber sich gut beraten zu lassen und sich auch über den nächsten Schritt, die daraus resultierenden Bejagungsstrategien, zu informieren.

www.jagdservice-franken.de

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